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Die
positiven Effekte eines Börsengangs
Finanzierungseffekte
Finanzielle
Flexibilität
Die
Eigenkapitalausstattung eines Unternehmens verbessert sich bei einem
Gang an die Börse schlagartig, wenn – was in aller Regel der Fall ist –
die Börseneinführung gemeinsam mit einer Kapitalerhöhung durchgeführt
wird. Während bei einer Kreditfinanzierung die Zinszahlungen regelmässig
zu leisten sind, wird das Grundkapital mit einer erfolgsabhängigen
Dividende bedient. Das in die Kapitalrücklage einzustellende Agio –
Emissionserlös abzüglich Nominalwert der Aktien – fliesst dem
Unternehmen zu. Für die Alteigentümer besteht prinzipiell die
Möglichkeit, bei einer Börseneinführung durch die Abgabe von Aktien
einen Teil des Unternehmenswertes zu realisieren. Die Praxis zeigt
jedoch, dass speziell bei jüngeren Unternehmen die Abgabe von
Anteilen der Altgesellschafter nur in begrenztem Umfang möglich ist.
Hintergrund ist die Tatsache, dass Investoren bevorzugt in die
Entwicklung des Unternehmens investieren und nicht, um bestehende
Gesellschafter auszubezahlen. Das über die Börse zugeführte
Eigenkapital steht dem Unternehmen dauerhaft zur Verfügung, es kann von
den Eigenkapitalgebern (Aktionären) praktisch nicht mehr entzogen
werden. Die Haftung des Eigentümers bleibt auf ihre Einalge beschränkt.
Bei positiver Unternehmensentwicklung kann der Kapitalbedarf immer
wieder - auch durch andere Finanzierungsformen, wie zum Beispiel
durch die Ausgabe von Wandelschuldverschreibungen oder junger Aktien
über eine Kapitalerhöhung – über den Kapitalmarkt gedeckt werden.
Dadurch bleiben unternehmerische Spielräume zur Sicherung der
Wettbewerbsposition gewahrt.
Bonitätskennzeichen
Die Börsennotierung eines
Unternehmens wird von Kunden, Lieferanten und der Öffentlichkeit
vielfach als Bonitätskennzeichen angesehen. Ist der gang an die Börse
mit einer Kapitalerhöhung verbunden, verbessert sich die
Kreditwürdigkeit des Unternehmens, insbesondere auch deshalb, weil sich
die Kapital- bzw. Kapitalvermögens-Relationen, an denen sich
Fremdkapitalgeber häufig orientieren, günstiger darstellen.
Organisatorische Effekte
Attraktiver Arbeitgeber
Für Mitarbeiter,
insbesondere qualifizierte Führungskräfte, besitzen börsennotierte
Unternehmen eine deutlich höhere Attraktivität. Das liegt sowohl an den
Imagevorteilen einer börsenotierten Gesellschaft als auch an der durch
aktienrechtliche Vorschriften vorgegebenen Eigenständigkeit und
Eigenverantwortlichkeit des Vorstandes. Die Kontinuität der
Unternehmensführung ist unabhängig von der Person einzelner
Gesellschafter gesichert. Die Ausgabe von Stock Options bzw. von
Belegschaftsaktien bietet zudem die Möglichkeit, Führungskräfte und
andere Mitarbeiter an der Entwicklung des Unternehmenswertes zu
beteiligen. Die Mitarbeiterbeteiligung wird nicht nur in einem gewissen
ausmass steuerlich gefördert, sie unterstützt auch die Identifikation
der Mitarbeiter mit dem Unternehmen.
Strategische
Flexibilität
Die strategische
Flexibilität börsennotierter Unternehmen ist wesentlich grösser: Bei
erfolgreicher Unternehmensentwicklung steht börsennotierten Unternehmen
der Kapitalmarkt als Finanzierungsquelle jederzeit offen. Kooperationen,
strategische Allianzen sowie Unternehmensakquisitionen können über
Kapitalverflechtungen leichter gefestigt werden (Akquisitionswährung
Aktien).
Laufende
Unternehmensbewertung
Durch die Kursfestsetzung
an der Börse erfolgt eine laufende Ermittlung des Unternehmenswertes. In
der Kursentwicklung der Aktie spiegelt sich die öffentliche Bewertung
der Unternehmenspolitik wider und stellt damit ein Beurteilungsmass für
die Managementleistung dar.
Imageeffekte und erhöhter Bekanntheitsgrad
Mit der Börseneinführung
eines Unternehmens sind auch positive Publizitäts- und Imageeffekte
verbunden. Der Gang an die Börse ist ein hervorragendes PR-Instrument
gerade für mittelständische Unternehmen, weil ihre Börseneinführung für
die Wirtschaftspresse von grossem Interesse ist. Durch Pressekonferenzen
und Anzeigenkampagnen können die Publizitätseffekte aktiv gesteuert und
genutzt werden, was für den Ausbau von Geschäftsbeziehungen eine
wertvolle Unterstützung ist. Ein weiterer Nutzen aus dem erhöhten
Bekanntheitsgrad des Unternehmens kann sich in jedem fall in Form eines
Spill-over-Effektes für seine Produkte ergeben.
Für ein erfolgreiches IPO
ist es notwendig, das Unternehmen allen relevanten Teilöffentlichkeiten
zu präsentieren. Die Zusammenarbeit von Unternehmen, Bank und der Börse
ergänzen die Kommunikationsaktivitäten, die das Unternehmen mit der
Unterstützung der Kommunikationsagentur durchführt, wirkungsvoll und
zielgenau. Die gemeinsam durchgeführten Aktivitäten reichen von
Medienarbeit über klassische Werbung, Internet, Veranstaltungen bis hin
zu Direct Mailings.
Die einzelnen Massnahmen
werden gemeinsam und in individueller Abstimmung mit dem Unternehmen,
der begleitenden Bank und der Kommunikationsagentur umgesetzt. Die
Kommunikation mit den Investoren nach dem Börsengang muss in möglichst
transparenter und umfassender Form erfolgen.
Motive
für einen Börsengang
Unternehmensbezogene Motive
Schon seit längerer Zeit
wird bei verschiedenen Unternehmern eine Eigenkapitallücke festgestellt.
Tatsächlich ist gerade bei dynamisch wachsenden Unternehmen die
Beschaffung ausreichenden Eigenkapitals oft schwierig, weil die
Finanzierungskraft der Eigentümer bei schnellem Unternehmenswachstum
bald an Grenzen stösst und in der Folge die Abhängigkeit von den
Kreditgebern rasch steigt. Dazu kommt, dass eine schmale
Eigenkapitalbasis die Kreditfinanzierung erschwert und zum Teil
erheblich verteuert - mit der Konsequenz einer beträchtlichen
Ergebnisbelastung durch den Zinsaufwand. Die Aufnahme eines starken
unternehmerischen Partners oder einer Beteiligungsgesellschaft ist zwar
häufig möglich, sie geht aber einher mit einem – unter Umständen sehr
deutlichen – Verlust an unternehmerischer Unabhängigkeit.
Gerade mittelständische
Unternehmen stehen immer wieder vor der schwierigen Situation, dass Sie
auf Grund von Technologiesprüngen, kürzer werdenden Produktlebenszyklen
oder notwendigen strategischen Investitionen hohe finanzielle
Vorleistungen erbringen müssen. Parallel dazu wird angesichts hoher
Insolvenzzahlen die Kreditvergabepolitik der Banken zunehmend
restriktiver und sicherheitsorientierter. Erschwerend kommt noch hinzu,
dass die Selbstfinanzierungskraft der Unternehmen durch steuerliche
Belastungen eingeschränkt wird. All das birgt die Gefahr, dass im
Prinzip ausgesprochen erfolgreiche Unternehmen notwendige, ihre
Wettbewerbsposition absichernde Zukunftsinvestitionen unterlassen und
damit ihre Marktposition schwächen.
Eine ausreichende
Eigenkapitalbasis gewährleistet die unternehmerische Unabhängigkeit
eines Unternehmens und die Kontinuität seiner zukünftigen Entwicklung.
Eine optimale Möglichkeit der Eigenkapitalbeschaffung ist der Gang an
die Börse. Unternehmen sichern sich damit ihre finanzielle Flexibilität,
die in zunehmendem Masse über ihre Position in von intensivem
Wettbewerb geprägten Märkten entscheidet. Durch den Zugang zu einem
organisierten Kapitalmarkt steht einem Unternehmen nach dem Börsengang
eine Vielzahl von Finanzierungsalternativen offen. Eine weitsichtige
Unternehmenspolitik wird deshalb darauf achten, dass frühzeitig der
Grundstein für einen Börsengang gelegt wird und das Unternehmen
angemessen darauf vorzubereiten, um diesen Schritt bei günstigen
Marktverhältnissen auch effizient vollziehen zu können.
Eigentümerbezogene Motive
Eine geringe
Eigenkapitalquote und hohe Zinsaufwendungen verringern die finanzielle
Flexibilität von Unternehmen in Verlustjahren erheblich. Wegen der
häufig engen Verknüpfung von Betriebs- und Privatvermögen bei
Unternehmen können sich daraus beträchtliche Gefahren für die Eigentümer
ergeben. Schliesslich haben mittelständische Unternehmer regelmässig
einen grossen Teil ihres Vermögens im Betriebsvermögen gebunden, womit
ihre wirtschaftliche Situation entscheidend vom Erfolg oder Misserfolg
des Unternehmens abhängt. Mit einer Börseneinführung können sich die
Eigentümer ein vom Unternehmensrisiko freies Privatvermögen schaffen,
indem sie einen Teil ihres Aktienbesitzes beim Börsengang abgeben. |